Statement
Ich habe gerade meine neue Kunstserie „ambiente deprimido“ begonnen. Sie beschäftigt sich mit meiner eigenen Erfahrung mit Depression, mit der ich seit vielen Jahren lebe.
In dieser Serie stelle ich mir meine Depression als eine andere, abgefucktere Version von mir selbst vor – eine ständige Begleiterin, die seit meiner Kindheit bei mir ist. Sie verlangt mir viel ab und bringt eine Menge Negativität in mein Leben. Aber weil ich schon so lange mit ihr lebe, habe ich auch eine Art innere Beziehung zu ihr entwickelt, fast wie eine Freundschaft. Eine toxische Beziehung zu etwas, das ich viel zu gut kenne.
Lange Zeit war Depression für mich eng mit Scham verbunden. Nicht nur die Krankheit selbst, sondern auch darüber zu sprechen und zu zeigen, wie es mir tatsächlich geht. Irgendwann habe ich gemerkt, dass Scham kleiner werden kann, wenn man aufhört, Dinge zu verstecken, und anfängt, darüber zu sprechen.
Ich versuche mit dieser Serie nicht, Depression allgemein zu erklären. Ich male, wie sie sich für mich anfühlt, wie sie in meinem Alltag auftaucht und welchen Platz sie in meinem eigenen Leben einnimmt.
Ich spreche auch in den sozialen Medien offen darüber. Denn ich glaube, dass es weniger Grund gibt, sich zu schämen, wenn wir anfangen, darüber zu sprechen und uns mit dieser schweren Krankheit weniger allein fühlen.
Für mich sind diese Arbeiten daher nicht nur eine Form der persönlichen Verarbeitung. Sie sind auch ein bewusster Schritt weg vom Verstecken – und ein Versuch, einen sicheren Raum für andere Menschen zu schaffen, die von psychischen Problemen betroffen sind, damit sie offen über ihre eigenen Erfahrungen sprechen können, wenn sie das Bedürfnis danach haben.
Biografie
Dayra Palacios ist eine in Berlin lebende Künstlerin mit deutschen und kolumbianischen Wurzeln. Geboren und aufgewachsen in Berlin, begann sie bereits in jungen Jahren, sich mit Kunst auseinanderzusetzen. Ihre Ausbildung zur Porzellanmalerin an der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin verband ihre frühe Leidenschaft für Kunst mit einem starken handwerklichen Fundament.
Heute arbeitet sie vor allem mit Acryl auf Holz und entwickelt eine neue Serie, die auf ihrer eigenen Erfahrung mit Depression basiert. Ihre Arbeiten verbinden persönliche Erfahrungen mit einer direkten, figurativen und leicht surrealen Bildsprache.
In früheren Arbeiten beschäftigte sie sich vor allem mit Menschen im öffentlichen Raum und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Dabei beobachtete sie alltägliche Situationen, Begegnungen und die Dynamik zwischen Menschen – besonders in Berliner U-Bahnen, S-Bahnen und Bussen.
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